Tipps für die Modelfotografie
Das Fotografieren von Menschen ist eine der Königsdisziplinen im Reich der Fotografie. Jeder Mensch besitzt individuelle Charakterzüge die es gilt, auf dem Foto widerzuspiegeln, besonders im Bereich der Porträtfotografie. Bei einem Shooting muss sich der Fotograf deshalb genügend Zeit nehmen, sich auf das Model einzustellen.
Entspannte Atmosphäre im Studio
Der Unterschied zwischen denjenigen Bildern, auf denen sich das Model wohlfühlt und über das Foto etwas transportiert und den, bei denen sich das Model unwohl fühlt und deshalb verkrampft wirkt, ist selbst für Laien sofort sichtbar. Für ein gelungenes Foto braucht es neben der nötigen Portion Einfühlungsvermögen jedoch gar nicht viel.
Wer privat solch ein Shooting einmal ausprobieren möchte, schnappt sich einfach seinen Freund. In vielen Dingen ist dies dann vielleicht auch einfacher, weil die Situation etwas ungezwungener ist. Natürlich spielt ebenfalls das Outfit des Models eine wichtige Rolle für die Fotos. Will man vorher noch mal online Herrenkleidung kaufen oder guckt man, was der Kleiderschrank zu bieten hat? Solche Dinge sollten schon vor dem Shooting klären.
Kommunikation gegen die Anspannung
Als erstes sollte jedoch ein Thema gefunden werden. Das kann zum Beispiel eine Emotion wie Trauer oder Wut sein oder auch etwas simpleres wie zum Beispiel das Thema ‘Urlaub’. Hat man das gemeinsam festgelegt, kann man damit beginnen, sich über die mögliche Umsetzung Gedanken zu machen, möglichst in Gemeinschaftsarbeit.
Während des Shootings hat eine möglichst gelassene und entspannte Stimmung oberste Priorität. Dazu ist eine offene Kommunikation wichtig oder auch lustige Situationen:Beispielsweise wenn der Fotograf möglichst unbeholfen die Posen erklärt und damit für Lacher sorgt, können viel zur Entspannung beitragen. Um das Model möglichst viel mit einzubinden, ist es ratsam, regelmäßig die Zwischenergebnisse zu präsentieren. Dann bekommt das Model eine Vorstellung von der anderen Seite der Kamera und kann mögliche Kritikpunkte einfach nachvollziehen.
Werden diese Hinweise beachtet, können selbst ungeübte Fotografen zu tollen Ergebnissen kommen. Und nicht zuletzt gilt die Devise: Übung macht den Meister.
Bilderrechte: © Klaus-Peter Adler – Fotolia.com
Dennis Hoppers Fotografien noch bis 19.12. in Berlin
Dennis Hopper war ein Künstler in jeglicher Hinsicht. Wir kennen ihn als kokssüchtigen Schauspieler, als avantgardistischen Maler und eben auch als begnadeten Fotografen. Der Martin-Gropius-Bau in Berlin zeigt in der Ausstellung „The Lost Album“ ein Konvolut von mehr als vierhundert Schwarzweiß-Fotografien, die zwischen 1961 und 1967 entstanden sind.
Die Biografie eine Achterbahnfahrt
Dass das Fotowerk erst jetzt, nach dem Tod vor zwei Jahren wiederentdeckt wird, passt zur Biografie Hoppers. Im Leben des großen Anti-Typs Hollywoods – so wurde Hopper in vielen Nachrufen bezeichnet – ging es auf und ab wie bei einer Achterbahnfahrt. Nach einem Erfolg wie „Easy Rider“ landete Hopper zwei Jahre später im amerikanischen Kino mit „The Last Movie“ einen legendären Flop. Nach manischen Schaffensphase stürzte Hopper in die Drogensucht, um sich danach wieder zu fangen.
Bilder des Zeitgeschehens
Als Fotograf war Hopper längst vergessen, obwohl einige der jetzt ausgestellten Fotos bereits in Zeitschriften wie Artforum und Vogue veröffentlicht wurden. Die Fotografien, die kurz vor dem Kultfilm „Easy Rider“ entstanden, zeigen Portraits von Andy Warhol, Robert Rauschenberg, Paul Newman oder Jane Fonda, Künstler und Freunde seiner Zeit. Darüber hinaus zeigen sie die Ort, an denen Hopper in den Jahren gewesen ist: Los Angeles, London, New York, Peru oder Mexiko. Eindrucksvoll fotografiert, zeigt sich in den Bildern die enthusiastische Neugierde und das Einfühlungsvermögen des Künstlers. Spannend zeigt Hopper die Straßen von Harlem, Stierkämpfe in Tijuana, Hopper begleitet Martin Luther King auf dem Marsch von Selma. In seinen Ablichtungen übersetzt er die ruhige Schönheit des abstrakten Expressionismus der Malerei in die Sprache der Fotografie.
Wer das nicht verpassen möchte, sollte noch bis zum 17. Dezember den Martin-Gropius-Bau besuchen.
Bilderrechte: © panthermedia.net/ elxeneize (Jens Ickler)
Timescans, Grenzbereiche der Fotografie
‘Digital ist besser’, sang die Hamburger Gruppe Tocotronic schon vor einigen Jahren, und in Sachen Flexibilität trifft das auch auf die Fotografie zu. Dass sich die Fotokunst aber auch inhaltlich stark den neuen technischen Möglichkeiten angepasst hat, zeigt die Wiener Gruppe Pataform.
Heutzutage besitzt jeder Zweite ein Smartphone und damit auch eine Kamera, die er ständig dabei hat. Bilder, die unterwegs geknipst wurden, können sogar umgehend bearbeitet und mit einem günstigen Vertrag auch sofort versendet werden. Übrigens: eine Übersicht der derzeitigen Tarifangebote findet man zum Beispiel bei smartchecker.de. Diese Art von Fotografie, also Schnappschüsse von sich selbst und dem Freundeskreis, finden sich allerdings definitiv nicht in der Ausstellung ‘„N Milliarden Photos / O Zeit, deine Pyramiden’, die noch bis zum 23. November in Wien zu sehen ist.
Durch die Digitalisierung haben Fotos ihre Glaubwürdigkeit verloren. Wir haben uns an Photshop-Bearbeitungen gewöhnt und leben mit dem Wissen, dass Fotos uns anlügen können, und das so perfekt, dass wir es nicht merken würden. Das war in analogen Zeiten zwar auch schon so, heute ist die Manipulation jedoch sehr viel perfekter und allgegenwärtig. Inzwischen gibt es es Programme, die die Fotos auf Veränderungen prüfen lassen und das Original wieder herstellen können.
Die Im Rahmen des Monats der Fotografie kuratierte Ausstellung befasst sich mit der Mathematik hinter den Dingen, mit der Aufklärung, mit Pataphysik und dem Autorenkreis Oulipo. Es soll gezeigt werden, wie in einem Raum voller Möglichkeiten und ohne Einschränkungen, also der digitalen Fotografie mit all ihren technischen Möglichkeiten, eigene, neue Regeln zum Tragen kommen und sich der Kunstbegriff verändert.
Ein Kunstprojekt ist zum Beispiel ein riesiges Bild, auf dem rund 5.300 Gegenstände zu sehen sind, die aus dem Besitz eines einzelnen Menschen kommen – ein visuelles Porträt und eine Charakterisierung aus Konsumgütern. Ein anderes Projekt ist die riesige Skulptur ‘RaumTischBankHocker’ der Gruppe EOOS, die sehr plastisch Bezug auf die Möglichkeit des Vergrößerns und Verkleinerns von Bildern nimmt.
Bilderrechte: © panthermedia.net/Tobias Kammerer
Michael Lange – Fotografien vom Wald

Die ist keins der Bilder von Fotograf Michael Lange, und dennoch ist sofort die Schönheit des Waldes, die auch Langes Bilder prägt, erkennbar
Dunkel und hin und wieder neblig sind sie, die Fotografien Michael Langes. Bisweilen haben sie etwas Märchenhaftes, erinnern an „Pans Labyrinth“ und andere Filme und sind dabei trotzdem niemals furchteinflößend.
Langes Bilderserie trägt den Namen „Wald. Landschaften der Erinnerung“ und ist seit Mitte Oktober in der Berliner Alfred-Ehrhardt-Stiftung zu sehen. Drei Jahre lang ist Michael Lange durch die Wälder gestromert und hat dabei stets auf Regen oder Dämmerung gewartet. Es geht ihm dabei weniger darum, seine Bilder zu traurigen, düsteren Geschichten zu machen: Lange möchte vielmehr der Ruhe, die er an diesen Orten findet, eine bildliche Gestalt geben, das sagte er dem Spiegel in einem Interview. Immer dann, wenn die Sonne verschwindet, verstummen auch die Vögel und werden die Farben weniger differenziert. Diese Prozesse sorgen nun mitnichten für Leere, sondern zeugen von einer eigenwilligen Intimität. Jedes Stück Wald, das Lange fotografiert hat, hat seine ganz eigene Stimmung. Titel haben die Bilder allesamt keine, denn in dem Konzept, das Lange verfolgt, wären sie ohnehin nur Schall und Rauch.
So manches Großstadtkind wird vielleicht ein wenig erschauern, wenn es Michael Langes neue Bilderserie vor die Augen bekommt. Für Lange selbst ist der Wald aber kein Ort, vor dem man Angst haben muss – in seiner Kindheit war er für ihn ein Zufluchtsort, ein Raum der Sicherheit, ein Rückzugsort.
Lange akzeptiert sehr bereitwillig, dass nicht jeder seine Meinung teilt. Wäre er ein Dokumentarfotograf, so hätte er gewiss die Verpflichtung, Dinge anders abzubilden. So ist er aber gewissermaßen nur sich selbst Rechenschaft schuldig. Was der Betrachter in den Wald-Bildern sieht, bleibt ganz ihm selbst überlassen. Schließlich hat jeder auch seine ganz individuellen Erfahrungen mit dem Wald, wie auch manch andere Fotografen zeigen. Der Regen, von dem eingangs die Rede war, ist vor allem deswegen wichtig, weil er das Licht bricht und die Farben verändert. Der Effekt, der dadurch entsteht, ist sehr monochrom und still – etwas, das dem Interesse Langes nur zuträglich sein kann. Er selbst nennt diesen Raum dann übrigens einen „gebärmutterhaften“.
Bilderrechte: © drsg98 – Fotolia.com
Nackte Münchener zu den Opernfestspielen

© prescott09 - Fotolia.com#38876832
Nacktheit ist allerdings kein neues Thema des Fotografen. Mit der Gegenüberstellung nackter Körper und urbaner Kulissen will Tunick die Vergänglichkeit und Verletzbarkeit des menschlichen Lebens darstellen. So zum Beispiel in Mexiko City, als der Fotograf den Stadtplatz „Zócalo“ mit knapp 18.000 Menschen füllte. Die Körpermassen können so also auch einen Schutz für einzelne darstellen, die sich vielleicht nicht hundertprozentig wohl so ganz ohne Kleider fühlen. In München bietet Tunick außerdem das Auftragen von Körperfarben an. Das könnte einen zusätzlichen Schutz für Schüchterne bieten. In Deutschland ist die FKK-Kultur ja nichts vollkommen neues, deswegen gab es auch auf dem administrativen Weg keine großen Probleme. Vor allem aufgrund des künstlerischen Rahmens des Projekts. Während der Installation sind außerdem keine Schaulustigen zugelassen. Tunick wird ein Video anfertigen, das während des Festspielmonats in München zu sehen ist. Außerdem erhalten die Teilnehmer Abzüge seiner Fotografien. In den USA nimmt man es mit der Freikörperkultur dann doch etwas genauer. Hier wurde Tunick schon sieben Mal festgenommen.
Was kann Instagram?

© virtua73 - Fotolia.com
Instagram ist eine Foto-App, die vor kurzem vom sozialen Netzwerk Facebook aufgekauft wurde. Wie funktioniert Instagram? Die App dient der Bildbearbeitung und bietet gleichzeitig eine große Foto-Community. So sollte sich jeder, der kein Interesse an der Verbereitung seiner Fotos im Internet hat, gut überlegen, ob er Instagram dann wirklich nutzen möchte. Denn zunächst muss sich jeder Nutzer ein eigenes Benutzerkonto anlegen. Dafür nötig sind Name, E-mail und falls gewünscht ein Profilbild. Ist dieser Schritt erfolgt, sucht die Anwendung auf Wunsch bei Facebook, Twitter und in den Kontakten nach Freunden. Wer in die Auswahl kommt, lässt sich allerdings nicht mit Kriterien sinnvoll beschreiben. Auch dieser Schritt gehört noch zur Registierung, die damit abgeschlossen ist.
Der Nutzer gelangt nun auf die Startseite von Instagram. Dort befindet sich am unteren Bildrand eine Leiste mit fünf Buttons, die zu verschiedenen Bereichen der Foto-Community leiten. Das Kamera-Feld befindet sich in der Mitte der Leiste. Damit aktiviert sich automatisch die integrierte Kamera oder der Zugriff auf bereits geschossene Bilder wird freigegeben. Hier gibt es einen Unterschied zwischen der iOS-Version und der Android-Variante: Unter Android benutzt Instagram keine eigene Kamera-App, sondern verwendet die vorinstallierte App. Damit ist dann leider keine Vorschau auf verwendete Effekte möglich.
Zur Bildbearbeitung steht ein eigener App-Bereich zur Verfügung mit rund 20 Filtern und Effekten. Automatisch greift die Lux-Funktion, die Kontrast und Helligkeit verbessert. Dazu können je nach Belieben weitere Filter angewendet oder das Ganze in einen Bilderrahmen verpackt werden. Das Ergebnis lässt sich nun auf verschiedenen Plattformen wie Facebook, Twitter, Tumblr und Foursquare präsentieren. Eine Vernetzung mit Flickr befindet sich angeblich noch in der Planung.
Größter Nachteil an der ganzen Sache ist, dass alle Fotos automatisch auf ein quadratisches Format zugeschnitten werden. Ansonsten lassen sich die Funktionen intuitiv bedienen. Vieles funktioniert schon mit einem Klick.
Nacktbilder als Protest

© Axel Lauer - Fotolia.com
Die ägyptische Bloggerin Lia Magda Al-Mahdi und der chinesische Künstler Ai Weiwei wurden bedroht und verhört, weil sie Nacktfotos von sich ins Internet gestellt hatten. Doch es regnete auch Solidarität aus dem Volk. So wird der Körper zum Symbol der Rebellion und auch andere User reagierten, indem sie Nacktfotos von sich ins Netz stellten.
In Israel zeigte man seine Unterstützung für die Ägypterin al-Mahdi, indem 40 israelische Frauen für sie ihre Kleider ließen, bestückt mit Bannern, auf denen man sich auf Arabisch, Hebräisch und Englisch für Beistand und “Liebe ohne Grenzen” einsetzt. Kern des Protests ist jedoch ein Schriftzug, der hinter den Frauen zum Vorschein komm: “Show you are not afraid”. Der Satz stammt vom damaligen Bürgermeister New York Citys, der die Menschen nach dem Attentat im September 2001 mit diesen Worten aufforderte, keine Angst zu zeigen und den öffentlichen Raum demonstrativ zurückzugewinnen.
Wer über seinen Körper frei verfügt, der macht Herrschenden Angst, so der Sinn hinter der Bewegung. Das Plakat mit dem Schriftzug, stammt von Mikael Mikael. Der stellt es im Internet frei zur Verfügung und möchte, dass auch alle anderen, die dieses Plakat in der Öffentlichkeit anbringen, es dokumentieren und hochladen. So fanden sich bereits Plakate in Sichtweite der Mauer in Jerusalem, auf Wachhäusern von Sicherheitsdiensten in Berlin und im Olympiadorf in München.
Alia Magda al-Mahdi jedoch wurde bereits von islamistischen Jura-Absolventen wegen Unsittlichkeit und Missachtung der Religion bei der ägyptischen Generalstaatsanwaltschaft angezeigt. Ai Wieweit und sein Fotograf Zhao Zhao wurden im November verhört, wegen eines Bildes aus dem vergangenen Jahr, das den Künstler und acht Frauen nackt, auf Stühlen sitzend zeigt. Die chinesischen Behörden werfen ihm deshalb Pornografie vor. Doch das visuelle Echo und die Zeichen der Solidarität nehmen zu und immer mehr Bürger zeigen sich als Antwort auf die Geschehnisse nackt auf Bildern.
Die Fotoausstellung ‘no fashion, please’

© Clarini - Fotolia.com
Die Ausstellung heißt zwar “No fashion, please!”, doch im Mittelpunkt steht dennoch die Auseinandersetzung mit der Modefotografie und deren Techniken – aber eben nicht aus einer modefotografischen, sondern künstlerischen Perspektive. Vom zehnten November bis zum 22. Januar 2012 haben Kunst- und Fotografie-Begeisterte die Gelegenheit, bei einem Abstecher ins österreichische Wien diese Foto-Ausstellung in der Kunsthalle mitzunehmen. 19 einzelne Fotografen aus der ganzen Welt werden mit Werken präsentiert, die sich irgendwie mit Körper und Kleidung und oder den funktionalen Techniken der Modefotografen auseinandersetzen. Viele Werke problematisieren die sich in den letzten Jahrzehnten stark veränderten ästhetischen Vorstellungen eines idealen Körpers. Doch nicht nur reine Fotografie gibt es im Nachbarland zu sehen, auch Projektionen, Skulpturen, Video, Film und Performances gibt es zu bestaunen – viele verschiedene mediale Ideen wurden in Wien umgesetzt.
Dabei ist etwa die Fotografen-Ikone des Londoner Mode-Untergrunds, Fergus Greer Bowery, der die Modekreationen Leigh Bowerys beinah dokumentarisch abknipste. Auch die Werke von Philipp-Lorca diCorcia und Erwin Olaf, aber auch Matthias Herrmanns “Philip” verweisen auf die sich aneinander inspirierende Beziehung zwischen Mode und Fotografie, zwischen Fashion-Designer und Fotograf.
Doch nicht alle der in Wien vertretenen Künstler sehen den Zusammenhang von Fotografie und Mode, von künstlerischem und kommerziellem Kosmos also, so positiv: Am deutlichsten wird das wohl beim amerikanischen Künstler Jeff Bark. Seine surrealen und verstörenden Stillleben und Körperabbildungen wirken wie eine Umkehrung der derzeit überall propagierten Schönheitsideale. Auch Tracey Baran, Luigi & Luca, Hanna Putz und Viviane Sassen untersuchen die Lücke zwischen Form und Erscheinung und beleuchten dabei auch Akte der Verweigerung oder Überkreuzung mit gängigen modischen Standarts oder den optimalen Körpermaßen.
Wer es nicht nach Wien schafft, kann sich immerhin mit dem Ausstellungskatalog ein Bild von der Ausstellung machen. Dieses erscheint im Verlag für moderne Kunst in Nürnberg und hat etwa 160 Seiten.
Fotoausstellung von Ai Weiwei in Berlin
Fotografien des chinesischen Künstlers Ai Weiwei des New Yorks der 80iger Jahre können derzeit im Berliner Martin-Gropius-Bau bestaunt werden. Die Ausstellung wurde von Weiwei selbst kuratiert und angeordnet – nicht nur die Fotografien an sich, auch die gesamte Installation ist ein Kunstwerk. Bei der Eröffnungs-Vernissage am vergangenen Freitag fehlte der berühmte chinesische Künstler: Er sitzt seit seiner knapp dreimonatigen Inhaftierung im Frühjahr 2011 derzeit unter Hausarrest und darf sein Studio in Peking nicht verlassen. Stattdessen schmuggelte sich eine Video-Botschaft Weiweis nach Berlin. Mit einem optimistischem Augenzwinkern endet diese wie folgt: “Wir sehen uns später.”
Von den mehr als 10.000 Fotos, die Weiwei von 1983 bis 1993 in New York knipste, landeten 220 in der Berliner Ausstellung. Sie zeigen Außenseiter und Verlierer der Welt-Metropole, Straßenschlachten am Tompkins Square Park und Transvestiten beim Wigstock-Festival. Auch viele Porträts von chinesischen und amerikanischen Künstlern, die in Weiweis ehemaliger Behausung im düsteren Bezirk East Village entstanden, sind darunter. Aus den Fotografien spricht Ironie, Sarkasmus und Humor, sie können wie ein Buch “gelesen” werden.
In den Fotografien zeigt sich auch die Handschrift des Konzept- und Installationskünstlers, zu dem Weiwei mittlerweile geworden ist. “Brooklyn” etwa präsentiert Weiwei, wie er sich vor einer großen Wand von Küchenrollen aufnimmt – ein eindeutiges Zitat von Andy Warhols berühmten Suppendosen. An seine Installation in der Londoner Tate Modern, wo Weiwei einen Raum mit Millionen von Porzellan-Sonnenblumenkernen auslegte, erinnert ein in Berlin gezeigte Porträt, das ebenfalls mit Sonnenblumenkernen ausgefüllt wird.
Weiwei selbst verweist darauf, dass er damals seine Fotografie weniger als Kunst verstanden habe. Ihm sei es wichtiger gewesen, seiner alltäglichen Handlungen und den Einstellungen dahinter durch die Fotografie bewusst zu werden. Wie auch bei seiner ersten Ausstellung im Pekinger Zentrum für Kunstfotografie vor zwei Jahren als auch in New York hängen die Bilder in Berlin in großen, hellen Holzrahmen dicht an dicht in langen Linien an der Wand. Bleibt zu hoffen, dass Weiwei dem Versprechen eines baldigen Wiedersehens schnell nachkommen kann.
Viertes Fotofestival Mannheim
Das Fotofestival in Mannheim jährte sich 2011 zum vierten Mal. Unter dem Motto „Anleitungen des Menschseins“ wurden in acht Ausstellungsstätten Fotografien ausgestellt und den interessierten Gästen präsentiert. Sie zeigen anthropologische, ethnografische und ökologische Blicke auf die Menschheit des 21. Jahrhunderts, fotografiert von Künstlern aus aller Welt, so auch des deutschen Landschaftsfotografen Olaf Becker. Dieser präsentiert surreal anmutende Fotos. Sei es ein eisblauer Wasserlauf zwischen den Eisbergen im Nordpolarmeer. Zwar sind diese im ersten Moment einfach schön anzusehen, doch bei genauerem Hinsehen oder darüber Nachdenken fällt die bissige Kritik an unserer Verschwendungsgesellschaft auf. Gezeigt wird nämlich, welch drastische Folgen die Klimaerwärmung auf unseren Planeten hat. Diesen haben wir als Menschen in den letzten 300 Jahren hervorgerufen, so wird der Bezug einer Landschaftsfotografie zum eigentlich Thema der Ausstellung hergestellt. Beim Schießen dieser Fotos wäre der Fotograf Becker beinahe gestorben. Bei seiner langen Tour durch die Arktis mit einem Boot brach er sich eine Rippe und und wurde auf einer treibenden Eisscholle bewusstlos. Währenddessen trieb sein Boot ab und der verletzte Fotograf musste diesem in dem eiskalten Wasser hinterher schwimmen.
Auch andere Fotografen, deren Werke derzeit in Mannheim zu bestaunen sind, brachten sich während ihrer Arbeit in gefährliche Situationen. Boniface Mwangi beispielsweise ist sichtlich in Gefahr gewesen, als er bei der Dokumentation der Unruhen in den Slums von Kenia 2008 zum Fotografieren dort war.
Der selbstformulierte Anspruch des Festivals scheint jedenfalls angenehm uneinlösbar. Die einzelnen Bilder sind mit spröden und unhandlichen Bildunterschriften wie: „ökologische Kreisläufe“, „Affekt und Wirkung von Politik“ oder „Das alltägliche Leben“ versehen, um den Beobachter zum Nachdenken zu zwingen. Es sollen keine Antworten geliefert werden, die Besucher der Ausstellungen sollen mit neuen Fragen im Kopf die Ausstellung wieder verlassen, die Antworten selbst zu finden ist das Ziel dieser Ausstellung.







