Nacktbilder als Protest

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Die ägyptische Bloggerin Lia Magda Al-Mahdi und der chinesische Künstler Ai Weiwei wurden bedroht und verhört, weil sie Nacktfotos von sich ins Internet gestellt hatten. Doch es regnete auch Solidarität aus dem Volk. So wird der Körper zum Symbol der Rebellion und auch andere User reagierten, indem sie Nacktfotos von sich ins Netz stellten.
In Israel zeigte man seine Unterstützung für die Ägypterin al-Mahdi, indem 40 israelische Frauen für sie ihre Kleider ließen, bestückt mit Bannern, auf denen man sich auf Arabisch, Hebräisch und Englisch für Beistand und “Liebe ohne Grenzen” einsetzt. Kern des Protests ist jedoch ein Schriftzug, der hinter den Frauen zum Vorschein komm: “Show you are not afraid”. Der Satz stammt vom damaligen Bürgermeister New York Citys, der die Menschen nach dem Attentat im September 2001 mit diesen Worten aufforderte, keine Angst zu zeigen und den öffentlichen Raum demonstrativ zurückzugewinnen.
Wer über seinen Körper frei verfügt, der macht Herrschenden Angst, so der Sinn hinter der Bewegung. Das Plakat mit dem Schriftzug, stammt von Mikael Mikael. Der stellt es im Internet frei zur Verfügung und möchte, dass auch alle anderen, die dieses Plakat in der Öffentlichkeit anbringen, es dokumentieren und hochladen. So fanden sich bereits Plakate in Sichtweite der Mauer in Jerusalem, auf Wachhäusern von Sicherheitsdiensten in Berlin und im Olympiadorf in München.
Alia Magda al-Mahdi jedoch wurde bereits von islamistischen Jura-Absolventen wegen Unsittlichkeit und Missachtung der Religion bei der ägyptischen Generalstaatsanwaltschaft angezeigt. Ai Wieweit und sein Fotograf Zhao Zhao wurden im November verhört, wegen eines Bildes aus dem vergangenen Jahr, das den Künstler und acht Frauen nackt, auf Stühlen sitzend zeigt. Die chinesischen Behörden werfen ihm deshalb Pornografie vor. Doch das visuelle Echo und die Zeichen der Solidarität nehmen zu und immer mehr Bürger zeigen sich als Antwort auf die Geschehnisse nackt auf Bildern.
Fotoausstellung von Ai Weiwei in Berlin

Quelle: Flickr/sanfamedia.com
Von den mehr als 10.000 Fotos, die Weiwei von 1983 bis 1993 in New York knipste, landeten 220 in der Berliner Ausstellung. Sie zeigen Außenseiter und Verlierer der Welt-Metropole, Straßenschlachten am Tompkins Square Park und Transvestiten beim Wigstock-Festival. Auch viele Porträts von chinesischen und amerikanischen Künstlern, die in Weiweis ehemaliger Behausung im düsteren Bezirk East Village entstanden, sind darunter. Aus den Fotografien spricht Ironie, Sarkasmus und Humor, sie können wie ein Buch “gelesen” werden.
In den Fotografien zeigt sich auch die Handschrift des Konzept- und Installationskünstlers, zu dem Weiwei mittlerweile geworden ist. “Brooklyn” etwa präsentiert Weiwei, wie er sich vor einer großen Wand von Küchenrollen aufnimmt – ein eindeutiges Zitat von Andy Warhols berühmten Suppendosen. An seine Installation in der Londoner Tate Modern, wo Weiwei einen Raum mit Millionen von Porzellan-Sonnenblumenkernen auslegte, erinnert ein in Berlin gezeigte Porträt, das ebenfalls mit Sonnenblumenkernen ausgefüllt wird.
Weiwei selbst verweist darauf, dass er damals seine Fotografie weniger als Kunst verstanden habe. Ihm sei es wichtiger gewesen, seiner alltäglichen Handlungen und den Einstellungen dahinter durch die Fotografie bewusst zu werden. Wie auch bei seiner ersten Ausstellung im Pekinger Zentrum für Kunstfotografie vor zwei Jahren als auch in New York hängen die Bilder in Berlin in großen, hellen Holzrahmen dicht an dicht in langen Linien an der Wand. Bleibt zu hoffen, dass Weiwei dem Versprechen eines baldigen Wiedersehens schnell nachkommen kann.







