Timescans, Grenzbereiche der Fotografie
‘Digital ist besser’, sang die Hamburger Gruppe Tocotronic schon vor einigen Jahren, und in Sachen Flexibilität trifft das auch auf die Fotografie zu. Dass sich die Fotokunst aber auch inhaltlich stark den neuen technischen Möglichkeiten angepasst hat, zeigt die Wiener Gruppe Pataform.
Heutzutage besitzt jeder Zweite ein Smartphone und damit auch eine Kamera, die er ständig dabei hat. Bilder, die unterwegs geknipst wurden, können sogar umgehend bearbeitet und mit einem günstigen Vertrag auch sofort versendet werden. Übrigens: eine Übersicht der derzeitigen Tarifangebote findet man zum Beispiel bei smartchecker.de. Diese Art von Fotografie, also Schnappschüsse von sich selbst und dem Freundeskreis, finden sich allerdings definitiv nicht in der Ausstellung ‘„N Milliarden Photos / O Zeit, deine Pyramiden’, die noch bis zum 23. November in Wien zu sehen ist.
Durch die Digitalisierung haben Fotos ihre Glaubwürdigkeit verloren. Wir haben uns an Photshop-Bearbeitungen gewöhnt und leben mit dem Wissen, dass Fotos uns anlügen können, und das so perfekt, dass wir es nicht merken würden. Das war in analogen Zeiten zwar auch schon so, heute ist die Manipulation jedoch sehr viel perfekter und allgegenwärtig. Inzwischen gibt es es Programme, die die Fotos auf Veränderungen prüfen lassen und das Original wieder herstellen können.
Die Im Rahmen des Monats der Fotografie kuratierte Ausstellung befasst sich mit der Mathematik hinter den Dingen, mit der Aufklärung, mit Pataphysik und dem Autorenkreis Oulipo. Es soll gezeigt werden, wie in einem Raum voller Möglichkeiten und ohne Einschränkungen, also der digitalen Fotografie mit all ihren technischen Möglichkeiten, eigene, neue Regeln zum Tragen kommen und sich der Kunstbegriff verändert.
Ein Kunstprojekt ist zum Beispiel ein riesiges Bild, auf dem rund 5.300 Gegenstände zu sehen sind, die aus dem Besitz eines einzelnen Menschen kommen – ein visuelles Porträt und eine Charakterisierung aus Konsumgütern. Ein anderes Projekt ist die riesige Skulptur ‘RaumTischBankHocker’ der Gruppe EOOS, die sehr plastisch Bezug auf die Möglichkeit des Vergrößerns und Verkleinerns von Bildern nimmt.
Bilderrechte: © panthermedia.net/Tobias Kammerer
Michael Lange – Fotografien vom Wald

Die ist keins der Bilder von Fotograf Michael Lange, und dennoch ist sofort die Schönheit des Waldes, die auch Langes Bilder prägt, erkennbar
Dunkel und hin und wieder neblig sind sie, die Fotografien Michael Langes. Bisweilen haben sie etwas Märchenhaftes, erinnern an „Pans Labyrinth“ und andere Filme und sind dabei trotzdem niemals furchteinflößend.
Langes Bilderserie trägt den Namen „Wald. Landschaften der Erinnerung“ und ist seit Mitte Oktober in der Berliner Alfred-Ehrhardt-Stiftung zu sehen. Drei Jahre lang ist Michael Lange durch die Wälder gestromert und hat dabei stets auf Regen oder Dämmerung gewartet. Es geht ihm dabei weniger darum, seine Bilder zu traurigen, düsteren Geschichten zu machen: Lange möchte vielmehr der Ruhe, die er an diesen Orten findet, eine bildliche Gestalt geben, das sagte er dem Spiegel in einem Interview. Immer dann, wenn die Sonne verschwindet, verstummen auch die Vögel und werden die Farben weniger differenziert. Diese Prozesse sorgen nun mitnichten für Leere, sondern zeugen von einer eigenwilligen Intimität. Jedes Stück Wald, das Lange fotografiert hat, hat seine ganz eigene Stimmung. Titel haben die Bilder allesamt keine, denn in dem Konzept, das Lange verfolgt, wären sie ohnehin nur Schall und Rauch.
So manches Großstadtkind wird vielleicht ein wenig erschauern, wenn es Michael Langes neue Bilderserie vor die Augen bekommt. Für Lange selbst ist der Wald aber kein Ort, vor dem man Angst haben muss – in seiner Kindheit war er für ihn ein Zufluchtsort, ein Raum der Sicherheit, ein Rückzugsort.
Lange akzeptiert sehr bereitwillig, dass nicht jeder seine Meinung teilt. Wäre er ein Dokumentarfotograf, so hätte er gewiss die Verpflichtung, Dinge anders abzubilden. So ist er aber gewissermaßen nur sich selbst Rechenschaft schuldig. Was der Betrachter in den Wald-Bildern sieht, bleibt ganz ihm selbst überlassen. Schließlich hat jeder auch seine ganz individuellen Erfahrungen mit dem Wald, wie auch manch andere Fotografen zeigen. Der Regen, von dem eingangs die Rede war, ist vor allem deswegen wichtig, weil er das Licht bricht und die Farben verändert. Der Effekt, der dadurch entsteht, ist sehr monochrom und still – etwas, das dem Interesse Langes nur zuträglich sein kann. Er selbst nennt diesen Raum dann übrigens einen „gebärmutterhaften“.
Bilderrechte: © drsg98 – Fotolia.com
Ausstellung zum Thema moderne Architektur in China
Seit nunmehr 40 Jahren stehen Deutschland und China im diplomatischen Kontakt, und dieses Jubiläum wird im Jahr 2012 mit der Aktion Chinesisches Kulturjahr gefeiert. Dazu gehören etliche Kunstprojekte, Ausstellungen und Tagungen, die das breite Feld der chinesischen Kulturlandschaft beleuchten sollen. Im Mannheimer Museum gibt es gleich zwei Ausstellungen zu sehen, einmal ‘Ma Fudan – Neue Bilder aus Dunhuang’ und die Ausstellung ‘Architecture China. The 100 Contemporary Projects’, die sich mit der modernen chinesischen Architekturlandschaft beschäftigt.
Das Museum Zeughaus der Reiss-Engelhorn-Museen zeigt Modelle und Fotografien von aktuellen Bauprojekten und beleuchtet so die aktuellen stadtplanerischen Entwicklungen von China. Fast 800 Quadratmeter umfasst die Fläche, auf der die hundert verschiedenen Projekte vorgestellt werden. Dabei kommen Ballungsräume genauso zur Geltung wie ländlichere Gebiete. Interessant ist dabei, dass sich die moderne Architektur mit traditionellen lokalen Bauweisen vermischt. Die Art der Bauten ist dabei divers und reicht von Schulen, Wohnhäusern, Büros, Hotels bis hin zu ganzen Stadtvierteln. Ausgestellt werden nur sehr aktuelle Objekte, die sich entweder noch in Planung befinden oder gerade fertiggestellt worden sind. Kuratiert hat die Ausstellung der chinesische Künstler Fang Zhenning, der international tätig ist. In der Ausstellung geht es aber nicht nur darum, Stararchitekten vorzustellen, auch Nachwuchsarchitekten sollen eine Chance bekommen. Dennoch kann davon ausgegangen werden, dass viele Besucher sich wohl besonders auf die Arbeiten von den Stars wie dem Pritzker-Preisträger Wang Shu oder Zaha Hadid freuen. Wang Shu ist dafür bekannt, traditionelle Werte mit modernen Elementen zu verbinden und dabei nachhaltige Konzepte zu entwickeln. Bekannt geworden ist er mit dem Bau der Kunstakademie der Stadt Hangzhou, bei der er zwei Millionen alte Ziegel aus Abrisshäusern wiederverwendet hat.
China ist ein Land, was in den letztem Jahrzehnten eine rasante Entwicklung vollzogen hat und kann somit spannende Entwicklungen in der Architektur, der Stadtentwicklung und im Bereich zwischen Tradition und Moderne vorweisen.
Bilderrechte:
Fotoausstellung von Ai Weiwei in Berlin
Fotografien des chinesischen Künstlers Ai Weiwei des New Yorks der 80iger Jahre können derzeit im Berliner Martin-Gropius-Bau bestaunt werden. Die Ausstellung wurde von Weiwei selbst kuratiert und angeordnet – nicht nur die Fotografien an sich, auch die gesamte Installation ist ein Kunstwerk. Bei der Eröffnungs-Vernissage am vergangenen Freitag fehlte der berühmte chinesische Künstler: Er sitzt seit seiner knapp dreimonatigen Inhaftierung im Frühjahr 2011 derzeit unter Hausarrest und darf sein Studio in Peking nicht verlassen. Stattdessen schmuggelte sich eine Video-Botschaft Weiweis nach Berlin. Mit einem optimistischem Augenzwinkern endet diese wie folgt: “Wir sehen uns später.”
Von den mehr als 10.000 Fotos, die Weiwei von 1983 bis 1993 in New York knipste, landeten 220 in der Berliner Ausstellung. Sie zeigen Außenseiter und Verlierer der Welt-Metropole, Straßenschlachten am Tompkins Square Park und Transvestiten beim Wigstock-Festival. Auch viele Porträts von chinesischen und amerikanischen Künstlern, die in Weiweis ehemaliger Behausung im düsteren Bezirk East Village entstanden, sind darunter. Aus den Fotografien spricht Ironie, Sarkasmus und Humor, sie können wie ein Buch “gelesen” werden.
In den Fotografien zeigt sich auch die Handschrift des Konzept- und Installationskünstlers, zu dem Weiwei mittlerweile geworden ist. “Brooklyn” etwa präsentiert Weiwei, wie er sich vor einer großen Wand von Küchenrollen aufnimmt – ein eindeutiges Zitat von Andy Warhols berühmten Suppendosen. An seine Installation in der Londoner Tate Modern, wo Weiwei einen Raum mit Millionen von Porzellan-Sonnenblumenkernen auslegte, erinnert ein in Berlin gezeigte Porträt, das ebenfalls mit Sonnenblumenkernen ausgefüllt wird.
Weiwei selbst verweist darauf, dass er damals seine Fotografie weniger als Kunst verstanden habe. Ihm sei es wichtiger gewesen, seiner alltäglichen Handlungen und den Einstellungen dahinter durch die Fotografie bewusst zu werden. Wie auch bei seiner ersten Ausstellung im Pekinger Zentrum für Kunstfotografie vor zwei Jahren als auch in New York hängen die Bilder in Berlin in großen, hellen Holzrahmen dicht an dicht in langen Linien an der Wand. Bleibt zu hoffen, dass Weiwei dem Versprechen eines baldigen Wiedersehens schnell nachkommen kann.
Viertes Fotofestival Mannheim
Das Fotofestival in Mannheim jährte sich 2011 zum vierten Mal. Unter dem Motto „Anleitungen des Menschseins“ wurden in acht Ausstellungsstätten Fotografien ausgestellt und den interessierten Gästen präsentiert. Sie zeigen anthropologische, ethnografische und ökologische Blicke auf die Menschheit des 21. Jahrhunderts, fotografiert von Künstlern aus aller Welt, so auch des deutschen Landschaftsfotografen Olaf Becker. Dieser präsentiert surreal anmutende Fotos. Sei es ein eisblauer Wasserlauf zwischen den Eisbergen im Nordpolarmeer. Zwar sind diese im ersten Moment einfach schön anzusehen, doch bei genauerem Hinsehen oder darüber Nachdenken fällt die bissige Kritik an unserer Verschwendungsgesellschaft auf. Gezeigt wird nämlich, welch drastische Folgen die Klimaerwärmung auf unseren Planeten hat. Diesen haben wir als Menschen in den letzten 300 Jahren hervorgerufen, so wird der Bezug einer Landschaftsfotografie zum eigentlich Thema der Ausstellung hergestellt. Beim Schießen dieser Fotos wäre der Fotograf Becker beinahe gestorben. Bei seiner langen Tour durch die Arktis mit einem Boot brach er sich eine Rippe und und wurde auf einer treibenden Eisscholle bewusstlos. Währenddessen trieb sein Boot ab und der verletzte Fotograf musste diesem in dem eiskalten Wasser hinterher schwimmen.
Auch andere Fotografen, deren Werke derzeit in Mannheim zu bestaunen sind, brachten sich während ihrer Arbeit in gefährliche Situationen. Boniface Mwangi beispielsweise ist sichtlich in Gefahr gewesen, als er bei der Dokumentation der Unruhen in den Slums von Kenia 2008 zum Fotografieren dort war.
Der selbstformulierte Anspruch des Festivals scheint jedenfalls angenehm uneinlösbar. Die einzelnen Bilder sind mit spröden und unhandlichen Bildunterschriften wie: „ökologische Kreisläufe“, „Affekt und Wirkung von Politik“ oder „Das alltägliche Leben“ versehen, um den Beobachter zum Nachdenken zu zwingen. Es sollen keine Antworten geliefert werden, die Besucher der Ausstellungen sollen mit neuen Fragen im Kopf die Ausstellung wieder verlassen, die Antworten selbst zu finden ist das Ziel dieser Ausstellung.
Viertes Fotofestival Mannheim
Foto von Becker, Foto: urbanautica_flickr
Auch andere Fotografen, deren Werke derzeit in Mannheim zu bestaunen sind, brachten sich während ihrer Arbeit in gefährliche Situationen. Boniface Mwangi beispielsweise ist sichtlich in Gefahr gewesen, als er bei der Dokumentation der Unruhen in den Slums von Kenia 2008 zum Fotografieren dort war.
Der selbstformulierte Anspruch des Festivals scheint jedenfalls angenehm uneinlösbar. Die einzelnen Bilder sind mit spröden und unhandlichen Bildunterschriften wie: „ökologische Kreisläufe“, „Affekt und Wirkung von Politik“ oder „Das alltägliche Leben“ versehen, um den Beobachter zum Nachdenken zu zwingen. Es sollen keine Antworten geliefert werden, die Besucher der Ausstellungen sollen mit neuen Fragen im Kopf die Ausstellung wieder verlassen, die Antworten selbst zu finden ist das Ziel dieser Ausstellung.
Viertes Fotofestival Mannheim
Foto von Becker, Foto: urbanautica_flickr
Auch andere Fotografen, deren Werke derzeit in Mannheim zu bestaunen sind, brachten sich während ihrer Arbeit in gefährliche Situationen. Boniface Mwangi beispielsweise ist sichtlich in Gefahr gewesen, als er bei der Dokumentation der Unruhen in den Slums von Kenia 2008 zum Fotografieren dort war.
Der selbstformulierte Anspruch des Festivals scheint jedenfalls angenehm uneinlösbar. Die einzelnen Bilder sind mit spröden und unhandlichen Bildunterschriften wie: „ökologische Kreisläufe“, „Affekt und Wirkung von Politik“ oder „Das alltägliche Leben“ versehen, um den Beobachter zum Nachdenken zu zwingen. Es sollen keine Antworten geliefert werden, die Besucher der Ausstellungen sollen mit neuen Fragen im Kopf die Ausstellung wieder verlassen, die Antworten selbst zu finden ist das Ziel dieser Ausstellung.


