Agentur Niche zeigt Trends auf dem Kunstmarkt
Dass es in der deutschen Hauptstadt Berlin allerlei Kunst und Kultur zu entdecken gibt, dürfte kein Geheimnis sein. Ein großer Teil der rund 8 Millionen Berlin-Besucher kommt sicherlich wegen der international attraktiven Kunstszene. Doch wo jenseits von großen Institutionen und Museen Kunst entsteht, ist für viele Touristen nicht leicht zu erkennen. Dabei hängen ja gerade in kleineren Galerien meist die interessantesten Werke. Abhilfe im Kunst-Dschungel schafft seit Mai 2009 das Unternehmen “Niche Berlin“. Zwei junge Kunsthistorikerinnen und eine Architektin gründeten damals diese Firma für Stadtführungen der ganz besonderen Art. Mittlerweile sind sechs freie Mitarbeiter dazu gekommen.
Auf den Touren, die individuell zusammen gestellt werden, geht es etwa in einem ehemaligen Einkaufszentrum am Alexanderplatz vorbei. Kein Kunstliebhaber würde von allein auf die Idee kommen, einen Fuß in den hässlichen Bau zu setzen. Doch im ersten Stock gibt es den Kunstraum „LEAPknecht“ mit gewagten Skulpturen und Installationen. In einem unscheinbaren Verlagshaus geht es bis unters Dach, wo neben Dutzenden Büros die Galerie Kraupa-Tuskany mit moderner Kunst aufwartet.
Längst sind die Zeiten vorüber, in denen Galerien immer von der Straße aus einsehbar waren. Schließlich leben Galerien auch weniger von solcher Laufkundschaft, als von Liebhabern, die ganz bewusst passende Galerien aufsuchen. Um als Besucher auch etwas von den neuesten Trends auf dem Berliner Kunstmarkt mitzubekommen, braucht es entweder erfahrene Kunstfreunde in der Stadt – oder eben eine geführte Tour, wie die von Niche Berlin. Fünf verschiedene Sprachen sind im Angebot, bis zu 150 Personen dürfen auf einmal mit. Meist handelt es sich dabei um Firmen oder kleine private Gruppen. In den Sommermonaten gibt es fast jeden Tag eine Tour quer durch die versteckten Galerien Berlins.
© BildPix.de – Fotolia.com
Fotoausstellung von Ai Weiwei in Berlin
Fotografien des chinesischen Künstlers Ai Weiwei des New Yorks der 80iger Jahre können derzeit im Berliner Martin-Gropius-Bau bestaunt werden. Die Ausstellung wurde von Weiwei selbst kuratiert und angeordnet – nicht nur die Fotografien an sich, auch die gesamte Installation ist ein Kunstwerk. Bei der Eröffnungs-Vernissage am vergangenen Freitag fehlte der berühmte chinesische Künstler: Er sitzt seit seiner knapp dreimonatigen Inhaftierung im Frühjahr 2011 derzeit unter Hausarrest und darf sein Studio in Peking nicht verlassen. Stattdessen schmuggelte sich eine Video-Botschaft Weiweis nach Berlin. Mit einem optimistischem Augenzwinkern endet diese wie folgt: “Wir sehen uns später.”
Von den mehr als 10.000 Fotos, die Weiwei von 1983 bis 1993 in New York knipste, landeten 220 in der Berliner Ausstellung. Sie zeigen Außenseiter und Verlierer der Welt-Metropole, Straßenschlachten am Tompkins Square Park und Transvestiten beim Wigstock-Festival. Auch viele Porträts von chinesischen und amerikanischen Künstlern, die in Weiweis ehemaliger Behausung im düsteren Bezirk East Village entstanden, sind darunter. Aus den Fotografien spricht Ironie, Sarkasmus und Humor, sie können wie ein Buch “gelesen” werden.
In den Fotografien zeigt sich auch die Handschrift des Konzept- und Installationskünstlers, zu dem Weiwei mittlerweile geworden ist. “Brooklyn” etwa präsentiert Weiwei, wie er sich vor einer großen Wand von Küchenrollen aufnimmt – ein eindeutiges Zitat von Andy Warhols berühmten Suppendosen. An seine Installation in der Londoner Tate Modern, wo Weiwei einen Raum mit Millionen von Porzellan-Sonnenblumenkernen auslegte, erinnert ein in Berlin gezeigte Porträt, das ebenfalls mit Sonnenblumenkernen ausgefüllt wird.
Weiwei selbst verweist darauf, dass er damals seine Fotografie weniger als Kunst verstanden habe. Ihm sei es wichtiger gewesen, seiner alltäglichen Handlungen und den Einstellungen dahinter durch die Fotografie bewusst zu werden. Wie auch bei seiner ersten Ausstellung im Pekinger Zentrum für Kunstfotografie vor zwei Jahren als auch in New York hängen die Bilder in Berlin in großen, hellen Holzrahmen dicht an dicht in langen Linien an der Wand. Bleibt zu hoffen, dass Weiwei dem Versprechen eines baldigen Wiedersehens schnell nachkommen kann.

