100 Vernissagen in New York
Es ergibt sich ein malerisches Bild – auch in New York. Der Herbst lädt ein, sich auf die Straße zu begeben. Die herabfallenden Blätter der Bäume, die nass-kalte, aber dennoch frische Luft weht durch die Straßen und im Park sieht man die Blätter mit einer Windrose spielen. Es ist allerdings nicht nur die Zeit, in der man sich auf die Straße begibt, um das Farbenspiel der Blätter und der Natur zu beobachten, sondern auch eine Zeit, in der man in die vielen Ausstellungen schreitet, um der Kultur zu frönen.
Trotz der wirtschaftlichen Sorgen der Amerikaner pulsiert in New York zu dieser Zeit das Leben in den unzähligen Vernissagen und Ausstellungen. Die Kunst- und Kultursaison ist eben auch am Big Apple eröffnet worden. Die 100 Galerien der Stadt eröffneten und zeigten wieder mal ihr ganzes Angebot, bei dem wieder alles so war wie jedes Jahr – nur halt ein bisschen anders. Wie jedes Jahr gab es Menschenschlangen vor den Eingängen der Galerien, wie jedes Jahr schenkte man sich den billigen Weißwein in sein wohl-geformtes Glas und wie jedes Jahr fand man dieses Jahr einen Blick auf die Höhepunkte der Kultursaison.
Und so zeigte Thomas Demand in der Galerie Matthew Marks die Ausstellung „Carte d’après Nature“, die auch schon im Nationalmuseum Monacos bestaunt werden konnte. Und so gab es dann auch in New York nostalgische Momentaufnahmen von verschiedenen Künstlern. Ein paar Straßen weiter versammelten sich die Menschen bei Nick Cave, die es ein bisschen lauter mögen. Im Wort „laut“ ist schrill zu sein natürlich mit einbezogen. Er stellte Soundsuit-Aliens aus, die er aus Kuscheltieren, Fellen und anderen Stoffresten anfertigt.
Es würde sicher den Rahmen sprengen, wenn man die unzähligen Werke der Stadt New York auf eine Liste bringen würde – dafür waren es eindeutig zu viele. Zu viele für ein Blatt Papier. Und weil man natürlich in New York war und vor kurzem die New York Fashion Week stattfand, durfte Kunst und Mode und die Mode, die in Kunst zusammenläuft nicht fehlen. Die Menschen jedenfalls waren begeistert und tranken an einem New Yorker Herbsttag ihren Billigwein, der aber keinesfalls stillos wirkte.
Open Art in München
Am 9. September 2011 eröffneten 68 Münchener Galerien die kommende Kunstsaison unter dem Motto „Kunst voll“. Die Aktion „Open Art“ sollte Begeisterung für Kunst wecken und einen leichten Einstieg in die Welt der Malerei, Fotografie, Skulpturen und Installationen gerade für junge Menschen ermöglichen. Mit kostenlosen Shuttle-Taxis für alle Besucher und fachkundigen Führungen vor Ort sollte das auch gut gelungen sein.
Zu sehen waren vor allem Einzelausstellungen von bekannteren Künstlern, die ihre jüngsten Werke präsentierten – dabei dominierte eindeutig die Malerei. Etwa die poppigen, farbenfrohen Bilder des Amerikaners Peter Halley bei Thomas Modern, die surrealen Landschaften des Chinesen Ji Dachun bei Barbara Gross, die feinen Camouflage-Bilder des Türken Ekrem Yalcindag bei Karl Pfefferle, aus Epoxidharz gegossene Werke von Peter Zimmermann bei Max Weber/ Six Friedich, abstrakte Bilder von Christina Chirulescu bei Tanja Pol und konzeptuelle Notizzettel-Kritzeleien vom Wiener Stefan Sander bei Andreas Grimm.
Das Spektakel der „Open Art“, die das gesamte Wochenende über Kunst-Begeisterte aus der ganzen Welt nach Bayern lockte, war aber eindeutig Benjamin Bergmanns Performance bei Nusser & Baumgart, mit der der Münchener wieder an alte Skandal-Auftritte anknüpfte: In einer selbstgebauten Vitrine zündete er 600 Feuerwerkskracher, die Schießpulver-Spuren an der zum Glück standgehaltenen Glasscheibe konnten Besucher dann als Gemälde bewundern.
Doch nicht nur Malerei stand auf dem Programm: Der Bildhauer Stephan Balkenhol zeigte bei Rüdiger Schöttle seine groben und beeindruckenden Holzskulpturen und Reliefe. Der in Berlin lebende Künstler Markus Selg präsentierte seinen neuen Film „Storrada“, Fetisch-Skulpturen und Digital-Prints in der Galerie Christine Mayer. Bei Francoise Heitsch gab es besonders junge zeitgenössische Kunst zu bewundern: Philipp Gufler, Thomas von Poschinger und Björn Wallbaum stellten Installationen, Skulpturen und Fotografien des alltäglichen Beziehungskampfes zur Schau. Die kommende Kunstsaison scheint zumindest im Süden Deutschlands vielversprechend und sehr abwechslunsgreich zu werden!