Fotoausstellung von Ai Weiwei in Berlin
Fotografien des chinesischen Künstlers Ai Weiwei des New Yorks der 80iger Jahre können derzeit im Berliner Martin-Gropius-Bau bestaunt werden. Die Ausstellung wurde von Weiwei selbst kuratiert und angeordnet – nicht nur die Fotografien an sich, auch die gesamte Installation ist ein Kunstwerk. Bei der Eröffnungs-Vernissage am vergangenen Freitag fehlte der berühmte chinesische Künstler: Er sitzt seit seiner knapp dreimonatigen Inhaftierung im Frühjahr 2011 derzeit unter Hausarrest und darf sein Studio in Peking nicht verlassen. Stattdessen schmuggelte sich eine Video-Botschaft Weiweis nach Berlin. Mit einem optimistischem Augenzwinkern endet diese wie folgt: “Wir sehen uns später.”
Von den mehr als 10.000 Fotos, die Weiwei von 1983 bis 1993 in New York knipste, landeten 220 in der Berliner Ausstellung. Sie zeigen Außenseiter und Verlierer der Welt-Metropole, Straßenschlachten am Tompkins Square Park und Transvestiten beim Wigstock-Festival. Auch viele Porträts von chinesischen und amerikanischen Künstlern, die in Weiweis ehemaliger Behausung im düsteren Bezirk East Village entstanden, sind darunter. Aus den Fotografien spricht Ironie, Sarkasmus und Humor, sie können wie ein Buch “gelesen” werden.
In den Fotografien zeigt sich auch die Handschrift des Konzept- und Installationskünstlers, zu dem Weiwei mittlerweile geworden ist. “Brooklyn” etwa präsentiert Weiwei, wie er sich vor einer großen Wand von Küchenrollen aufnimmt – ein eindeutiges Zitat von Andy Warhols berühmten Suppendosen. An seine Installation in der Londoner Tate Modern, wo Weiwei einen Raum mit Millionen von Porzellan-Sonnenblumenkernen auslegte, erinnert ein in Berlin gezeigte Porträt, das ebenfalls mit Sonnenblumenkernen ausgefüllt wird.
Weiwei selbst verweist darauf, dass er damals seine Fotografie weniger als Kunst verstanden habe. Ihm sei es wichtiger gewesen, seiner alltäglichen Handlungen und den Einstellungen dahinter durch die Fotografie bewusst zu werden. Wie auch bei seiner ersten Ausstellung im Pekinger Zentrum für Kunstfotografie vor zwei Jahren als auch in New York hängen die Bilder in Berlin in großen, hellen Holzrahmen dicht an dicht in langen Linien an der Wand. Bleibt zu hoffen, dass Weiwei dem Versprechen eines baldigen Wiedersehens schnell nachkommen kann.
Der Highline-Park in New York
In den deutschen Großstädten beklagen sich die Anwohner lautstark darüber, dass gefühlt jeder Quadratmeter Freifläche mit neuen Wohnhäusern zugebaut wird. Es scheint, als würde den deutschen Großstädtern jede Luft zum Atmen genommen. Über diese Problemchen können die Bewohner der US-amerikanischen Weltmetropole New York nur müde lächeln. In Manhattan steht Hochhaus an Hochhaus an Hochhaus.
Und in eben diesem Dschungel aus Beton wurde den Bewohner im Jahre 2009 eine kleine grüne Oase geschenkt. Auf den ehemaligen Hochbahngleisterrassen wurde ein 1,6 Kilometer langer Park auf Stelzen angelegt. Direkt zwischen den Bürotürmen des Big Apple aalen sich nun die Einwohner sowie die Touristen in der Sonne. Seit der Eröffnung des Highline-Parks 2009 zog dieser bereits vier Millionen Besucher an. Es scheint, als hätten sich die 152 Millionen Dollar, die es kostete um aus Hochbahngleisen einen Park zu machen, für die Stadt gelohnt. Andere amerikanische Großstädte wie Detroit, Philadelphia, Atlanta und Chicago sind von der New Yorker Idee angetan und überlegen, ob sich eine vergleichbare Investition auch in ihrer Stadt rentieren könnte.
In New York erstreckt sich der Park von der Gansevoort Street im ehemaligen Schlachtereiviertel der Stadt bis zur 30th Street. Diese Strecke wurde einst für Viehtransporte mit Zügen genutzt.
Inspiriert ist der Park von Trisha Browns http://www.villagevoice.com/2011-06-08/dance/roof-piece-rides-the-high-line/“, ein Tanzprojekt auf den Dächern New Yorker Hochhäuser.
Im Highline-Park tummeln sich tausende Besucher bei schönem Wetter. Es wird gelacht, geredet und Sport getrieben. Viele treffen sich mit Picknick-Körben zur urbanen Entspannung im Herzen der Metropole. Man sonnt sich, was wohl auch den Anwohnern und Arbeitern in den anliegenden Häusern gefallen dürfte, der Highline-Park ist ein Fest für Voyeure. Jedem New York-Touristen ist ein Besuch auf den ehemaligen Hochgleistrassen zu empfehlen.
100 Vernissagen in New York
Es ergibt sich ein malerisches Bild – auch in New York. Der Herbst lädt ein, sich auf die Straße zu begeben. Die herabfallenden Blätter der Bäume, die nass-kalte, aber dennoch frische Luft weht durch die Straßen und im Park sieht man die Blätter mit einer Windrose spielen. Es ist allerdings nicht nur die Zeit, in der man sich auf die Straße begibt, um das Farbenspiel der Blätter und der Natur zu beobachten, sondern auch eine Zeit, in der man in die vielen Ausstellungen schreitet, um der Kultur zu frönen.
Trotz der wirtschaftlichen Sorgen der Amerikaner pulsiert in New York zu dieser Zeit das Leben in den unzähligen Vernissagen und Ausstellungen. Die Kunst- und Kultursaison ist eben auch am Big Apple eröffnet worden. Die 100 Galerien der Stadt eröffneten und zeigten wieder mal ihr ganzes Angebot, bei dem wieder alles so war wie jedes Jahr – nur halt ein bisschen anders. Wie jedes Jahr gab es Menschenschlangen vor den Eingängen der Galerien, wie jedes Jahr schenkte man sich den billigen Weißwein in sein wohl-geformtes Glas und wie jedes Jahr fand man dieses Jahr einen Blick auf die Höhepunkte der Kultursaison.
Und so zeigte Thomas Demand in der Galerie Matthew Marks die Ausstellung „Carte d’après Nature“, die auch schon im Nationalmuseum Monacos bestaunt werden konnte. Und so gab es dann auch in New York nostalgische Momentaufnahmen von verschiedenen Künstlern. Ein paar Straßen weiter versammelten sich die Menschen bei Nick Cave, die es ein bisschen lauter mögen. Im Wort „laut“ ist schrill zu sein natürlich mit einbezogen. Er stellte Soundsuit-Aliens aus, die er aus Kuscheltieren, Fellen und anderen Stoffresten anfertigt.
Es würde sicher den Rahmen sprengen, wenn man die unzähligen Werke der Stadt New York auf eine Liste bringen würde – dafür waren es eindeutig zu viele. Zu viele für ein Blatt Papier. Und weil man natürlich in New York war und vor kurzem die New York Fashion Week stattfand, durfte Kunst und Mode und die Mode, die in Kunst zusammenläuft nicht fehlen. Die Menschen jedenfalls waren begeistert und tranken an einem New Yorker Herbsttag ihren Billigwein, der aber keinesfalls stillos wirkte.







